27.07.2007 | Das Leiden des Trommlers: Wie ich zum Perkussion-Fan wurde
Ditti-tapp-tapp-da-da-dadadada-plopp! Dit-ditti-dit-ditti-dap! Dit-ditti ...
Was ich über den Mann erfahre, ist nichts, das man in Worte fassen kann; es ist der Sprache nicht zugänglich, ebenso wenig wie psychologischen Theorien, psychotherapeutischen oder auch medikamentösen Behandlungen. Durch die gewissenhafte Nachahmung der vielschichtigen Trommelklänge gelingt es mir allmählich, eine Verbindung zu dem Trommler herzustellen und in dessen ganz eigene Welt vorzustoßen. Allmählich verstehe ich den Trommler, auf einer elementaren, neurologischen Ebene – was ihn motiviert, warum er handelt, wie er handelt.
Ich unternehme einen ersten Versuch, den Rhythmus zu verändern, um auszuprobieren, ob ich die Führung übernehmen und den Trommler dazu bringen kann, mir einen Moment lang zu folgen. Dabei achte ich sorgfältig darauf, keine abrupten Wechsel zu vollziehen: Jeder neue Takt, jeder veränderte Rhythmus ist ein genau berechneter, präzise gesteuerter Schritt auf dem Weg zum Ziel. Im Verlauf einer weiteren Stunde vollzieht sich ein Wandel in der zwischenmenlichen Dynamik. Ohne es zu merken, ist der Trommler nicht mehr derjenige, der führt, sondern derjenige, der folgt.
Jetzt bin ich mir sicher, dass ich den Rhythmus vorgebe; dass der in der angrenzenden Zelle unbewusst meinem Tempo und meiner Führung folgt. Dann beginne ich geduldig, mein eigenes Trommeln zu verlangsamen; nicht auf direktem Wege, sondern über wechselnde Beschleunigungen und Verlangsamungen, über Riffs und Umstellungen, die ich von meinem Zellennachbarn übernommen habe, und die ich jedes Mal in einem etwas langsameren Tempo enden lasse, bis die Laute schließlich so langsam und schläfrig aufeinander folgten wie zähe Melassetropfen.
Und dann höre ich auf.